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Vom Streithals zum starken Verhandler: Fair reden in der Ehe (Teil 2)

Wie verwandelst du dich von einem streitlustigen Menschen in einen starken, souveränen Verhandler?

Unsere moderne Gesellschaft glaubt oft, die Kunst des Verhandelns brauche man nur in Vorstandssitzungen und bei Geschäftsabschlüssen. Das ist ein völlig falsches Bild, denn tatsächlich profitiert jeder davon, richtig verhandeln zu können.

Wenn deine Ehe kriselt, du sie aber retten willst, dann musst du unbedingt lernen, mit deinem Partner zu verhandeln. Verhandeln heißt nicht, jemandem zu zeigen, „wer der Boss ist”. Es heißt anzuerkennen, dass es zwei Menschen braucht und dass beide faire Behandlung verdienen.

Faire Behandlung findet man in kriselnden Ehen leider selten. Aber Moment: Kann man Fairness in eine Beziehung zurückholen, einfach indem man richtig verhandelt? Die Antwort ist ein klares Ja.

Ist Verhandeln kompliziert?

Verhandeln ist wahrlich keine höhere Physik. Du brauchst keinen komplizierten Wirtschaftsabschluss, um die Grundlagen zu beherrschen. Verhandeln ist einfach eine Art, gegensätzliche Sichtweisen so auszutauschen, dass ein stabiler Boden für Lösungen und Kompromisse entsteht.

Wenn du Verhandeln nicht so siehst, willst du in Wahrheit gar nicht verhandeln. Dann willst du wahrscheinlich die Situation vollständig kontrollieren und einfach von deinem Partner bekommen, was du willst. Das ist zutiefst zerstörerisches Verhalten, und wenn du dich darin wiedererkennst, solltest du sofort damit aufhören.

Genau solches Kontrollverhalten ist einer der Hauptgründe, warum viele Menschen es aufgeben, in wichtigen Fragen je eine Einigung mit ihrem Partner zu erreichen. Die Folge: Große Themen bleiben ungelöst, und diese Themen haben die Angewohnheit, irgendwann in der Zukunft zurückzukommen und beide zu belasten.

Wie verhandelst du wirksamer?

Im letzten Beitrag haben wir bereits einige Tipps geteilt. Das Beste kommt aber jetzt. Und vergiss nicht, dir in deinem Journal Notizen zu machen.

1. Beleuchte die Interessen

Erfolgreiches Verhandeln setzt voraus, dass beide sich der eigenen Interessen bewusst sind, die auf dem Verhandlungstisch liegen. Wichtig: Interessen sind etwas anderes als Positionen.

Ein paar Beispiele:

Dein Interesse: Am Wochenende deine Mutter besuchen.

Das Interesse deines Partners: Zu Hause bleiben und entspannen, vielleicht ein bisschen zocken.

Gemeinsames Interesse: Den Frieden in der Familie wahren und harmonisch miteinander umgehen.

Sind die einzelnen Interessen erst einmal benannt, geht es im nächsten Schritt darum, eine vorläufige und schließlich eine endgültige Lösung zu finden, von der beide profitieren. Ohne die Interessen beider Seiten zu kennen, ist eine solche Lösung schlicht unmöglich.

Wenn beide sich auf eine Lösung einigen, hat das Paar eine gemeinsame Position gefunden.

Verstehst du jetzt, warum du nicht mit einer festgezurrten Position in eine Verhandlung gehen kannst?

Wenn jemand eine Verhandlung mit seiner eigenen Position eröffnet, ist die natürliche Reaktion des anderen, die eigene Position zu verteidigen. Das übliche Ergebnis? Wahrscheinlich ein hitziger Streit darüber, wer vernünftiger oder im Recht ist.

Du willst keinen weiteren Streit, der eure Beziehung belastet. Halte dich also an den richtigen Verhandlungsablauf, um genau das zu vermeiden.

2. Sei flexibel und vernünftig

In einem früheren Beitrag ging es darum, wie wichtig es ist, verzerrte Denkmuster abzulegen.

Eines dieser Muster ist das Schwarz-Weiß-Denken, bei dem jemand nicht über starre Gegensätze wie „gut und böse” oder „vernünftig und unvernünftig” hinauskommt.

Ein guter Verhandler lässt sich nie von engen Denkmustern gefangen halten. Du musst dich bewusst darum bemühen, logisch und zugleich flexibel zu bleiben. Das klingt nach viel, verbessert aber langfristig deine Chancen enorm. Wenn du davon ausgehst, dass du recht hast und dein Partner schon immer im Unrecht war, kannst du sicher sein, dass die Verhandlung in Flammen aufgeht.

3. Beide sollen profitieren

Leider haben Menschen eine gewisse egoistische Ader, wenn es darum geht, am Verhandlungstisch Lösungen zu suchen.

Trotzdem raten wir allen Paaren in der Krise, nach Lösungen zu suchen, die am Ende beiden nützen, nicht nur einer Seite.

In vielen Fällen gibt es für ein Problem mehr als eine gangbare Lösung. Lass deinen Partner seine Lösungen einbringen, damit ihr gemeinsam mehrere Möglichkeiten abwägen könnt.

Wenn du dich zu sehr auf deine eigene Lösung versteifst, bekommt dein Partner das Gefühl, in der Beziehung nichts mitentscheiden zu dürfen. Genau so wird eine Beziehung schnell kalt und am Ende für beide giftig.