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Muster & Prägungen

Abwehrstrategien verstehen, Teil 3: Getarnte Schutzmuster erkennen

Mit welchen Strategien schützen sich Menschen letztlich vor Schmerz in der Ehe?

Mit jemandem verheiratet zu sein kann unermessliches Glück bedeuten, bis man sich einem ganz besonders hartnäckigen Gegner gegenübersieht: dem ehelichen Konflikt. Dieser Konflikt unterscheidet sich von den alltäglichen Reibereien, die wir Tag für Tag erleben.

Er ist deutlich schwerer zu bewältigen, denn er entsteht oft aus gegensätzlichen Interessen und Überzeugungen innerhalb einer Beziehung, in der die Stärken und Schwächen beider Seiten offen zutage liegen.

Woran erkennst du, dass du in deiner Ehe Mauern errichtest?

Natürlich wollen wir jede Art von Schmerz und Verletzung in unserer Ehe vermeiden.

Doch wenn wir uns zu sehr auf unsere seelischen Schutzmechanismen verlassen, beginnen wir, Ehekonflikte als etwas zu sehen, das man einfach umgehen kann. Der Fokus verschiebt sich von „Wie kann ich dieses Problem lösen?” hin zu „Wie erspare ich mir den Stress und den Schmerz?”

Wenn du etwas an deiner Ehe verändern willst, musst du erkennen, dass manche deiner Verhaltensweisen in Wahrheit getarnte Abwehrmechanismen sind.

Hier sind einige bemerkenswerte Schutzmuster, die Menschen oft nicht als das durchschauen, was sie wirklich sind:

1. Zwanghafte Aktivität

Dieses Muster zeigt sich häufig bei Menschen, die sich in ihrer Ehe ausgelaugt und gelangweilt fühlen.

Wenn die anfängliche Hochstimmung der frischen Ehe verfliegt, wenden sich manche Aktivitäten zu, die die gemeinsame Zeit mit dem Partner drastisch verkürzen.

Dabei spielt es keine Rolle, um welche Aktivität es geht. Manche werden zu Workaholics, die so viel Zeit wie möglich im Büro verbringen und selten früh genug zum Abendessen nach Hause kommen.

Andere stürzen sich in neue Hobbys, die den Großteil ihrer wachen Stunden verschlingen. Zwanghafte Aktivität verkürzt nicht nur die gemeinsame Zeit, sie entfremdet den Partner auch.

2. Das Handtuch werfen

Wenn jemand das Handtuch wirft, werden alle bisherigen Bemühungen, ein Problem zu lösen oder auf die Bedürfnisse des anderen einzugehen, vollständig eingestellt.

Dieses Muster zeigt sich oft in Beziehungen, in denen ein Partner die vermeintlichen Fehler oder Schwächen des anderen immer stärker kritisiert.

Wird die Kritik zu häufig oder zu hart, kann es passieren, dass der Kritisierte alle Bemühungen einstellt, nur um den strengen Blicken des anderen zu entkommen.

In Wirklichkeit rührt diese Fluchttaktik nicht an die eigentlichen Probleme und kann alles noch verschlimmern, weil sich am Ende beide verletzt und im Stich gelassen fühlen.

3. Schmerz stoisch hinnehmen

Manche Menschen geben gern vor, nie verletzt oder getroffen zu sein, weil sie nicht wollen, dass andere sie für leicht verwundbar halten. Dieses Muster erzeugt ein falsches Bild vom wahren Wesen eines Menschen, und zwar so überzeugend, dass andere glauben, ihr Verhalten sei völlig in Ordnung.

Ein Beispiel: Jan mochte es nie, wenn seine Frau Make-up trug, und ließ immer wieder kleine, beiläufige Bemerkungen fallen, das sei doch gar nicht nötig. Seine Frau Sabine dagegen liebte Make-up, weil sie sich hübscher und selbstbewusster fühlte, sobald sie auch nur ein wenig Lippenstift trug.

Wegen der ständigen Bemerkungen beschloss Sabine, so zu tun, als würden die Kommentare sie nicht verletzen, „um des lieben Friedens willen”.

Doch das machte alles nur schlimmer, denn Jan hatte keine Ahnung, wie viel Sabine das Make-up bedeutete. Sabine litt immer mehr unter den Bemerkungen, und Jan würde so bald nicht damit aufhören, weil er glaubte, sie perle einfach an ihr ab.

4. „Perfekt” sein

Perfektion vorzuspielen ist ein weiterer Schutz von Menschen, die Angst haben, wegen ihrer Schwächen und Fehler kritisiert zu werden. Wer sich seiner Verletzlichkeit sehr bewusst ist, versucht, so entgegenkommend und angepasst wie möglich zu sein, um es allen recht zu machen und ja nicht ins „Kritik-Visier” zu geraten.

Dieses Muster beraubt einen Menschen jedoch seiner wahren Persönlichkeit. Die falsche Aura der Perfektion stößt andere sogar ab, weil sie nicht echt wirkt und den Eindruck erweckt, man würde etwas verbergen.

In einer Ehe kann gedankenlose Anpassung ebenfalls entzweien, denn es ist schlicht nicht normal, überhaupt keine Konflikte und Streitigkeiten zu haben. Ob du es glaubst oder nicht: Konflikte zu lösen ist gesund für ein Paar, denn es stärkt die natürliche Harmonie und schweißt selbst in schlechten Zeiten zusammen.