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Abwehrstrategien verstehen, Teil 2: Wovor wir uns in der Ehe schützen

Was vermeiden wir in einer engen Beziehung ganz bewusst?

Die Ehe gilt vielen als rätselhaft, denn es braucht eine Menge Mut, sich für den Rest des Lebens an einen einzigen Menschen zu binden.

Natürlich gibt es immer noch die Möglichkeit, sich wieder zu trennen. Doch in der Idee der Ehe steckt der Anspruch, dass man es ernsthaft versuchen sollte, wenn man sich einmal auf jemanden eingelassen hat.

Viele Paare zerbrechen daran, dass sie es nicht schaffen, mit Konflikten in ihrer Beziehung umzugehen.

Ehe und Konflikt sind zwar nicht dasselbe, aber Konflikte sind eine ganz normale Folge davon, sich einem anderen Menschen so tief zu verbinden.

Was verändert die Ehe?

Wenn du dich entscheidest, jemandem so sehr zu vertrauen und ihn so zu lieben, dass du ihn heiratest, schlägst du einen ganz eigenen Weg ein, denn nun hast du deinen Partner an deiner Seite. Es gibt diese seltenen „Bilderbuchpaare”, die die perfekte Formel für die Ehe gefunden zu haben scheinen.

Wir haben schon Menschen getroffen, die seit über 50 Jahren verheiratet sind und sagen, dass sie nie wirklich unglücklich miteinander waren. Der Gedanke, ein halbes Jahrhundert mit demselben Partner zu verbringen und dabei keine ernsthaften Konflikte zu erleben, ist tatsächlich sehr inspirierend.

Doch leider können nicht alle von uns solche Bilderbuchpaare sein.

Wir sind alle einzigartig und haben ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie eine perfekte Ehe aussehen sollte. Genau diese ausgeprägten Unterschiede lösen die meisten Konflikte in einer Ehe aus.

Was wollen wir so weit wie möglich vermeiden?

Menschen bauen sich innere Abwehrmechanismen auf, wenn sie mit folgenden Erfahrungen konfrontiert werden:

  1. In irgendeiner Form vom Partner verlassen zu werden
  2. Dass die eigenen Ideen und Pläne abgelehnt werden
  3. Das Gefühl, keine gute Ehefrau, kein guter Ehemann zu sein
  4. Gefühle von Isolation und Einsamkeit
  5. Nicht richtig verstanden zu werden
  6. Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht
  7. Geistige und emotionale Erschöpfung
  8. Von einem kontrollierenden Partner geistig und emotional beherrscht zu werden
  9. Angst in jeder Form
  10. Schuldgefühle wegen etwas Realem oder nur Eingebildetem
  11. Das Gefühl, gedemütigt zu werden, wegen etwas, das man erreicht oder eben nicht erreicht hat
  12. Eifersucht auf ganz verschiedene Dinge

Das sind natürlich alles sehr belastende Gefühlszustände, und es ist kein Wunder, dass Menschen sich praktisch immer dagegen zu wehren versuchen. Niemand fühlt sich gern eifersüchtig oder unzulänglich, erst recht nicht, wenn der eigene Partner im Spiel ist.

Es liegt in der Natur des Menschen, auf jede erdenkliche Weise nach Sicherheit und Geborgenheit zu suchen.

Welche Abwehrmuster finden sich besonders in belasteten Ehen?

Wie schon gesagt, ist es völlig natürlich, sich vor Schmerz und Verletzung schützen zu wollen. Doch wenn du es damit übertreibst, opferst du womöglich die Substanz deiner Ehe, indem du dich vor deinem Partner verschließt.

Hier sind einige typische Abwehrmuster, die sich in angeschlagenen Ehen beobachten lassen:

1. Übermäßiges Sozialisieren

Wenn ein Mensch das Gefühl hat, von einem verschlossenen oder wortkargen Partner abgeschnitten zu sein, sucht er den fehlenden Kontakt oft woanders. Er konzentriert sich dann übermäßig auf eine andere Person, etwa die beste Freundin, oder auf eine Gruppe, zum Beispiel den Sportverein.

2. Sich verschließen

Ein weiterer Schutz vor Verletzung besteht darin, emotional und gedanklich einfach abzutauchen. Fühlt sich ein Mann etwa von seiner Frau zu stark für seine Gartenpläne kritisiert, hört er vielleicht ganz auf, mit ihr zu reden, damit der Schmerz verfliegt.

Nur führt dieses Verhalten meist dazu, dass auch der andere kühl und verschlossen reagiert. Das Ergebnis: eine breite, eisige Kluft zwischen zwei Menschen, die nicht erkannt haben, dass ein Gespräch über das Problem weit besser gewesen wäre als völliges Schweigen.

3. Zeit und Energie woanders investieren

Diesen Abwehrmechanismus findet man besonders bei Menschen, die in ständiger Angst leben, verlassen zu werden.

Wer Isolation und Einsamkeit fürchtet, legt sich manchmal einen „Notfallplan” zu: einen anderen Menschen außerhalb der Beziehung, damit jemand bereitsteht, wenn alles in sich zusammenfällt.

Traurigerweise entstehen viele Fälle von Untreue genau aus diesem Muster, ohne dass den Betroffenen die eigentliche Ursache ihres Verhaltens bewusst ist.

4. In eine Sucht flüchten

Jede Form von Sucht kann den Schmerz einer Ehe betäuben, die auseinanderzubrechen droht.

Die Sucht wird zum Mittelpunkt des Lebens, damit man den Schmerz des Konflikts nicht mehr spüren muss. Klare Gedanken werden ausgeblendet, Gefühle hinter der Sucht versteckt, bis die eigene Bedürfnisbefriedigung zum Wichtigsten überhaupt wird.