EheAnker
Gedanken & Gefühle

Der friedliche Weg aus der Wut, Teil 1

Wie kannst du deine Ehe vor den schädlichen Folgen ungebremster Wut schützen?

Extreme, unkontrollierte Wut reißt schnell einen tiefen Graben in eine Ehe, weil sie unmittelbar beeinflusst, wie zwei Menschen miteinander umgehen, gerade in Konfliktsituationen.

Wut in ihrer reinsten Form will nur eines: sich nach außen entladen, egal wie. Dass du überhaupt wütend werden kannst, ist nicht deine Schuld.

Wenn du die Wut aber die Führung übernehmen lässt und deinen Partner und andere verletzt, nur weil du gerade zornig bist, dann trägst du sehr wohl die Verantwortung für den angerichteten Schaden.

Wie kannst du Wut sicher loslassen, besonders wenn sie sich gegen deinen Partner richtet?

Wut lässt sich, wie andere Gefühle auch, umwandeln und gefahrlos ableiten. Als eine Hälfte eines Paares darfst du dich zu 100 Prozent verantwortlich fühlen für die Folgen, die dein Zorn auf deinen Partner oder andere in der Familie hat.

Fall nicht auf den Irrglauben herein, du hättest ein Recht darauf, andere schlecht zu behandeln, nur weil du wütend bist. Du bist kein Wirbelsturm und kein Unwetter, Wut ist keine Naturkatastrophe.

Denk immer daran: Du kannst deine Worte und Taten selbst im größten Zorn kontrollieren.

Sofern keine psychische Erkrankung oder eine seelische Ausnahmesituation vorliegt, gibt es keinen triftigen Grund, warum man seine Wut nicht steuern könnte.

All die Rechtfertigungen, die chronisch wütende Menschen bislang vorbringen, sind daher nichts weiter als bequeme Ausreden für schlechtes Verhalten.

Hier sind ein paar Leitlinien, die dir helfen, mit Wut friedlicher und zugleich produktiver umzugehen.

1. Plane und belohne, statt zu bestrafen

Jemanden für vermeintliches Fehlverhalten zu bestrafen, ist der bequeme Weg im Umgang mit Wut.

Der halbwüchsige Sohn ist ohne Erlaubnis mit dem Auto gefahren? Einen Monat Hausarrest! Die Partnerin überzieht das Wochenbudget und überhört deine Bitten, mehr zu sparen? Werde einfach so oft wie möglich wütend auf sie!

Aber ist Bestrafung wirklich ein wirksames Mittel, um bei Partner oder Familie etwas zu erreichen?

Tatsächlich taugt Strafe schlecht dazu, positives Verhalten zu fördern, weil sie sofort einen negativen Gemütszustand auslöst, und Menschen meiden negative Gemütszustände von Natur aus.

Statt also zum tobenden Ungeheuer zu werden, wenn dein Sohn eine Delle ins Auto fährt, überleg dir, wie du ihn für besseres Verhalten belohnen kannst. Hält er die Abmachung nicht ein, dann streiche ihm Privilegien, aber mach das nicht zum Mittelpunkt eures Umgangs.

Betone, dass Disziplin wichtig ist, erinnere ihn aber zugleich daran, dass für gutes Verhalten eine schöne Belohnung auf ihn wartet. Wenn dein Partner das Wochen- oder Monatsbudget sprengt, greif nicht zur Wut.

Handle stattdessen eine Vereinbarung aus, damit er oder sie auf Kurs bleibt, und im Gegenzug sorgst du dafür, dass die Wochenenden für euch beide schöner werden.

Es gibt unzählige Wege, positive Verhaltensänderungen zu bestärken, ohne zu Strafen zu greifen: Sei einfach kreativ!

2. Nimm das Problem selbst in die Hand

Im Eheleben wird es Situationen geben, in denen dein Partner für bestimmte Themen oder Probleme wie blind erscheint. Manchmal wurzelt diese Blindheit in alten Überzeugungen und tief verankerten Werten, und die zu ändern, ist offen gesagt oft sehr schwer.

Was also tun, wenn dein Partner nicht schnell genug handelt?

Statt lange wütend zu bleiben, ist es häufig die bessere Wahl, dir selbst eine Lösung zu überlegen und das Problem so anzupacken, dass es dich nicht mehr belastet.

Wenn deinen Partner etwas nicht stört, hat er kaum einen Antrieb, aktiv zu werden. Solange es nicht um Leben und Tod geht, kannst du das Problem getrost selbst angehen, ohne damit unverantwortliches oder gleichgültiges Verhalten zu belohnen.

3. Such Unterstützung und Anerkennung am richtigen Ort

In einer idealen Welt könnten Partner einander bei jedem Vorhaben angemessen unterstützen, egal ob es ums Bergsteigen oder ums Stricken geht.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Menschen haben Grenzen und eigene Interessen. Es ist völlig in Ordnung, dass dein Partner andere Interessen hat, das heißt nicht, dass er dich weniger liebt oder sich weniger um dich sorgt.

Wenn dich die Art von Unterstützung, die dein Partner geben kann, nicht zufriedenstellt, dann hast du dir womöglich einfach den falschen Menschen dafür ausgesucht.

Es ist völlig legitim, die eigene Komfortzone zu verlassen und Menschen zu finden, die deine Leidenschaft und deine Interessen teilen. Wenn du diese Menschen findest und sie dich annehmen, wirst du bald merken, dass du dich (und wahrscheinlich auch deinen Partner) wegen einer Sache gestresst hast, die sich ganz leicht hätte lösen lassen.