Schemata und Muster in der Ehe, Teil 1: Wenn Systeme die Beziehung tragen
Wie entwickeln zwei Menschen eigene Systeme innerhalb einer Ehe?
Ehen halten selten lange genug, um zu reifen, wenn die Partner keine Verhaltensmuster entwickeln, die die Harmonie in der Beziehung bewahren.
Wir kennen viele glückliche Paare, die wunderbare, lösungsorientierte Systeme entwickelt haben, an denen beide Partner tatsächlich wachsen.
Es gibt keine „bewährte Formel”, nach der sich ein gutes System in einer Ehe erschaffen ließe.
Ein gutes System entsteht zwischen zwei Menschen durch Versuch und Irrtum. Es gibt keine Abkürzungen und keine „Wundermittel”, wenn es darum geht, solche Systeme zu formen.
Wie sieht ein gutes System aus?
Ein gutes Ehesystem hat folgende Merkmale:
- Es stellt die Rückmeldung des anderen in den Mittelpunkt jedes Austauschs.
- Es ist nährend und unterstützend.
- Es stellt beide Partner auf Augenhöhe.
- Es schätzt Fairness über alles.
- Es erkennt die Bedürfnisse und Interessen beider an, ebenso die besonderen Stärken und Schwächen jedes Einzelnen.
- Es ist lösungsorientiert.
- Es lässt niemanden zugunsten des anderen im Stich.
- Es bestärkt gutes Verhalten und benennt schlechtes, so schmerzhaft der Prozess auch sein mag.
Diese Merkmale sind natürlich sehr idealistisch; es ist schwer, bewusst ein System zu schaffen, das all diese Eigenschaften vereint.
Es ist völlig normal, dass Paare fehlerhafte Systeme haben. Wichtig ist, dass sie weiter voneinander lernen und bereit sind, sich zu verändern, wann immer es nötig ist.
Solange beide zur Veränderung bereit sind, gibt es immer Hoffnung für eine Ehe.
Leider haben nicht alle Paare den Mut oder die innere Kraft für Veränderung. Viele der belasteten Paare, denen wir über die Jahre begegnet sind, sagen sogar, dass ihre verzerrten Muster genau das seien, „was uns am Laufen hält”, weil sie zu Hause für Ruhe sorgen.
„Friedlich” ist nicht „still”
Wir korrigieren Paare stets rasch, wenn sie „friedlich” mit „still” verwechseln. Das sind zwei ganz unterschiedliche Zustände.
Wenn Frieden in einer Ehe herrscht, gibt es auch Fürsorge, Liebe und Zuwendung. Menschen wachsen an der Seite ihres Partners und haben eine dauerhafte Stütze, an die sie sich anlehnen können: die Ehe selbst.
Frieden bedeutet, abends nach Hause kommen und denken zu können: „Hier gehöre ich hin!”
Wenn es zu Hause nur „still” ist, heißt das meist, dass zwei Menschen ihr Bestes tun, um einander auszuweichen oder zu ignorieren.
Wir haben sogar ein Paar getroffen, das sagte, das jetzige Schweigen sei immer noch besser, als sich fast jeden Abend an die Gurgel zu gehen. Zu Hause ist es zwar still, aber nicht die Art von Stille, die man im Zuhause eines Ehepaars finden sollte.
Wie steht es aktuell um deine Ehe?
Wenn du spürst, dass sich Ärger zusammenbraut, leidet deine Ehe womöglich unter einem negativen Muster. Hier sind einige der häufigeren, die uns bei Paaren begegnet sind, die wir begleitet haben:
1. Das lineare Muster
Ein lineares Muster ist gekennzeichnet durch ein einseitiges System aus „Aktion und Reaktion”. Man findet es oft in Ehen, in denen nahezu mechanische Verhaltensabläufe das Gleichgewicht in der Beziehung aufrechterhalten. Wer dieses Muster benutzt, sagt oft: „Ich würde das gar nicht tun, wenn er oder sie nicht dies gesagt oder getan hätte.” Gedanken, Gefühle und Handlungen des einen hängen völlig davon ab, was der andere denkt oder sagt.
Dieses Muster ist nicht nur linear, sondern auch kreisförmig. Es gibt kein absehbares Ende des Reiz-Reaktions-Kreislaufs. Wenn du versuchst, den Anfang des Kreises zu finden, wirst du ihn nicht entdecken, denn jeder kann den Kreislauf jederzeit neu in Gang setzen.
2. Das Gleichgewicht
Ein Gleichgewicht kann positiv oder negativ sein, je nachdem, wie es überhaupt zustande kam. Manche Paare ignorieren die Kritik des anderen komplett, nur um das Gleichgewicht zu halten.
Sie spielen ein fatales Spiel nach dem Motto „Du kannst mir nicht mehr wehtun”, obwohl sie in Wahrheit längst tief verletzt sind und einfach nicht noch mehr Schmerz ertragen wollen.
Der Schmerz wird betäubt, und die Menschen führen ihr Eheleben mit dicken Mauern um sich herum weiter. Schutzmauern bewahren dich vor Schmerz, aber sie hindern deinen Partner auch daran, dich zu erreichen.
Ein positives Gleichgewicht entsteht, wenn Paare sich zusammensetzen und ihre schmerzhaftesten Themen lösen. Dieser Prozess ist unangenehm und kann sogar weitere Probleme aufwerfen, doch der Versuch, sie jetzt zu lösen, ist immer besser, als sie einfach zu ignorieren. Warum? Weil ungelöste Themen dich später in der Ehe garantiert wieder einholen.