Konstruktive und destruktive Gedanken erkennen: Der Weg zur Selbstwahrnehmung
Wie bewusst und wie sehr im Griff hast du deine eigenen Gedankengänge, wenn du mit deinem Partner zusammen bist?
Die Qualität und Art deiner Gedanken hat einen enormen Einfluss auf deine allgemeine Stimmung und auf die Gefühle, die du deinem Partner gegenüber empfindest.
Zwar dürfen wir im Schutz unseres eigenen Kopfes denken, was wir wollen, doch daraus folgt auch, dass wir uns der Wirkung dieser Gedanken in der realen Welt bewusst sein und Verantwortung dafür übernehmen müssen.
Unsere Gedanken müssen gar nicht ausgesprochen werden, um auf die Wirklichkeit und auf andere Menschen (zum Beispiel deinen Partner) Einfluss zu nehmen.
Deine Gedanken und Gefühle haben die Kraft, deine Handlungen und deine ganz persönlichen Entscheidungen zumindest ein Stück weit zu beeinflussen, selbst wenn du dich bewusst dafür entscheidest, sie niemals auszusprechen.
Was verursacht all den Ärger?
Die Gedanken, die im Eheleben den größten Schaden anrichten, sind die tief verankerten, unbewussten Gedanken, die dein waches Bewusstsein beeinflussen.
Sie liegen unter der Oberfläche deines Bewusstseins und prägen, wie du Situationen und Erlebnisse mit deinem Partner wahrnimmst.
Keine Sorge: Diese negativen, unbewussten Gedanken mögen mächtig genug sein, um dich zu beeinflussen, aber sie sind nicht unzerstörbar. Wie andere gedankliche Konstrukte lassen sie sich verändern, neu zusammensetzen oder bei Bedarf ganz auflösen.
Was ist der erste Schritt, um solche negativen Gedankengänge zu verändern?
Gedanken können ziemlich flüchtig sein und schlüpfen dir gern durch die Finger, wenn du versuchst, sie zu fassen. Sei also geduldig mit dir selbst, während du beginnst, dir deine eigenen Gedanken bewusst zu machen.
Selbstwahrnehmung ist der erste Schritt, um potenziell problematische Gedankengänge zu verändern.
Um deine Selbstwahrnehmung zu stärken, empfiehlt sich ein Gedankentagebuch über mindestens einen Monat. So kannst du deine häufigsten Denkmuster und die dazugehörigen Gefühle erkennen. Deine Gedanken wären nämlich lange nicht so mächtig ohne die Emotionen, die sie begleiten.
Wenn du mit dem Tagebuch beginnst, lege drei Spalten mit den Überschriften „Ereignis”, „Gedanke” und „Gefühl” an.
Immer wenn dein Partner dich auf irgendeine Weise verärgert, schreibe dieses Erlebnis in dein Tagebuch. Beginne mit dem Ereignis selbst, dann mit dem, was du währenddessen gedacht hast, und benenne schließlich genau das Gefühl, das deine Gedanken umgeben hat.
Nach sieben Tagen ehrlicher Aufzeichnung kannst du damit beginnen, deine Gedanken und Gefühle zu untersuchen.
Warum ist ein solches Tagebuch überhaupt nötig?
Ein Gedankentagebuch ist ein einfacher und wirksamer Weg, das ganze Bild zu sehen und nicht nur Ausschnitte davon. Aufzuschreiben, wie du dich fühlst, wirkt außerdem ganz natürlich stressmindernd. Diesen zusätzlichen Nutzen genießt du, solange du weiter schreibst.
Was ist der nächste Schritt?
Eine Woche Tagebuch reicht in der Regel für eine erste Bestandsaufnahme der Gedanken und Gefühle, die mit deinem Partner verbunden sind. Anschließend kannst du das Aufgeschriebene mit Hilfe der folgenden Leitfragen bewerten:
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Was war deine häufigste Gefühlslage in dieser Woche? Warum fühlst du dich so?
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Glaubst du, deine Woche hätte besser laufen können? Inwiefern?
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Zähle die Einträge, in denen es um irgendein Missgeschick, eine Verzögerung oder einen Ärger geht. Wie viele davon hast du direkt oder indirekt mit deinem Partner in Verbindung gebracht? Woran könnte das liegen?
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Und nun überlege sehr genau: Ist dein Ursache-Wirkungs-Denken wirklich logisch, oder beruht es vor allem auf den starken Gefühlen, die du in diesen Momenten hattest?
Würde ein anderer Mensch dieselben Verbindungen ziehen, wenn er an deiner Stelle wäre, aber nicht mit deinem Partner zusammenlebte? Würde ein völlig Fremder dieselben Schlüsse ziehen?
- Welche deiner Gedanken sind wohl hilfreich, um eure Beziehung zu reparieren? Und welche stehen im Weg, wenn es darum geht, Lösungen zu finden, von denen ihr beide profitiert?
Selbstprüfung ist nie leicht. Wenn dieser Teil des Prozesses unangenehm ist, arbeite in deinem eigenen Tempo.
Trotzdem lässt sich diese Bewertungsphase nicht überspringen, denn genau hier erkennst du, wie deine eigenen Gedankengänge deine Beziehung beeinflussen.
Bedenke außerdem: Du musst dabei völlig ehrlich zu dir selbst sein, denn an diesem Punkt kannst du dich nicht länger auf deine „alten Abwehrmechanismen” verlassen. Du musst neu erfinden, wie du mit deinem Partner sprichst und umgehst, um deine Ehe wieder mit Leben zu füllen.